BÜRGERNAH,                            KOMPETENT,                                UNABHÄNGIG.           

                           

Position des Bürgervereins zur A73


Positionspapier zum Ausbau der A 73 (Südwesttangente)

(Stand 16. Februar 2013)

1.    Situation

Der Vorentwurf zum Ausbau der A 73 steht. Ab 2015 soll die A 73 zwischen der Anschlussstelle Nürnberg-Hafen und dem Autobahnkreuz Süd ausgebaut werden. Laut Autobahndirektion haben wir zur Zeit ein Verkehrsaufkommen von ca. 84.000 Autos pro Tag. Die Prognose zeigt, dass die Nutzung zukünftig auf über 120.000 Kfz pro Tag ansteigen wird; eine vierspurige Autobahn kann lt. Autobahndirektion maximal 70.000 Kraftfahrzeuge pro Tag aushalten. Damit einhergehend steigen  Lärmpegel und Schadstoffemissionen. Bei der Vorentwurfsplanung ist bereits deutlich erkennbar, dass die Emissionsgrenzwerte für einen deutlichen Teil der Siedlungen Süd schon jetzt überschritten sind.

 2. Weitere Einflussfaktoren

Im Zusammenhang mit dem Ausbau der A 73 sind weitere Faktoren zu beachten, bzw. in einem Gesamtkonzept zu betrachten:

–          Entwicklung des GüterVerkehrsZentrum (GVZ) im Hafen

–          Ausbau des Marthweges (Anschlussstelle zum GVZ Hafen)


–          Potentielle Nutzung der Waldfläche südlich der Wiener Str./Hafen


–          Nutzung der Saarbrückener Str. (Straßenbahn, Schwerlastverkehr)


–          Kreuzungsfreier Ausbau des Frankenschnellweges (Zusatzverkehr)


–          Nahverkehrstrasse nach Kornburg (Hafenspange oder Saarbrückener Str.)


–          110 kV Stromtrasse über die A 73 und durch den Bannwald


3.   Konsequenzen

Bedingt durch das höhere Verkehrsaufkommen und die westlichen Hauptwinde wird der Lärmpegel und der Schadstoffeintrag in das Gebiet der Siedlungen Süd verstärkt. Um die Bewohner der Siedlungen Süd davor zu schützen ist eine genaue Kenntnis der Belastungsfaktoren notwendig und ein umfassendes Schutzkonzept. In der Betrachtung ist es wichtig nicht nur die A 73 isoliert zu sehen, sondern den Gesamtkontext mit Hafenentwicklung, Nahverkehr, Stromtrasse, etc..

4. Forderungen zum Lärm- und Emissionsschutz für die Bewohner der Siedlungen Süd

Bürgermeister Förther hat sich in der Stadtteilversammlung im Februar 2012 für den optimalen Lärmschutz ausgesprochen. Die Stadträte Raschke (SPD) und Krieglstein (CSU) haben in einer Pressemitteilung im Juli 2012 den optimalen Lärmschutz gefordert. Der Bürgerverein Siedlungen Süd begrüßt diese Forderungen, möchte aber definiert haben, was darunter zu verstehen ist.

Wir fordern im Namen der Bürger/-innen der Siedlungen Süd Folgendes:

a)    Eine Lärmabschirmung der A 73 nach Norden von der AS Zollhaus bis Kreuz Nürnberg Hafen                       

b)    Besondere Beachtung der Lärmschwachstelle „AS Königshof“

c)     Reduzierung von Autoverkehr durch Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs)   

d)    Weitestgehender Erhalt der Waldfläche)   

e)    Beachtung der Grundwasserverhältnisse im Gebiet    

f)     Die Nutzung von offenporigem Asphalt (Flüsterasphalt)  

g)    Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 km/h)  

h)    Vermeidung von Überlastungen durch den kreuzungsfreien Ausbau des Frankenschnellweges (FSW)   

i)     Einrichtung einer Umweltmessstation an der Saarbrückener Str., um die Emissionen beobachten zu können   

j)    Berücksichtigung des hohen Aufkommens an Fußgängern und Radfahrern

Zu a) Eine Lärmabschirmung der A 73 nach Norden

Um einen wirkungsvollen Lärmschutz planen zu können sind aktuelle Belastungsdaten notwendig. Wir fordern im Vorfeld eine seriöse und auf neuesten Zahlen basierende Grundlagenermittlung bezüglich der Lärm- und Schadstoffbelastung.

–  Messung des derzeitigen Verkehrsaufkommens im Bereich Ausfahrt Königshof, differenziert nach Richtungsaufkommen

  1. aus nordwestlicher Richtung (Hafengebiet, FSW, Fürth)
  2. aus südöstlicher Richtung (von der A6/A9),
  3. aus Hafengebiet (Marthweg/ Wiener Straße)

      – Messung der derzeitigen Lärmbelastung–   Messung der derzeitigen Schadstoffbelastung

Das Lärm- und Schadstoffvermeidungskonzept muss diesen Ergebnissen Rechnung tragen.


Zu b) Lärmschwachstelle „Kreuzung Saarbrückener Str.“

Im Vorentwurf ist im Bereich der Kreuzung A73/Saarbrückener Str. kein schlüssiger und vollständiger Lärmschutz erkennbar. Vor allem im Bereich der neu errichteten 110 kV Leitung ist unterhalb der Leitung keine Lärmschutzwand vorgesehen. In der aktuellen Vorentwurfsplanung für die A73 ist der Kreuzungsbereich Saarbrückener Str./Marthweg nicht detailliert und aus unserer Sicht unzureichend dargestellt. Wirkungsvolle Lärmschutzmaßnahmen sind an dieser topographisch erhöhten Stelle (Brücke) mit hohem LKW-Aufkommen und geplanter Ampelregelung außerordentlich wichtig.


Zu d) Weitestgehender Erhalt der Waldfläche

Das bestehende Waldstück zwischen den Siedlungen Süd und der A73, das als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist, sollte auf jeden Fall verbindlich geschützt und erhalten bleiben, zumal bereits durch den Neubau der 110 KV-Leitung ein erheblicher Teil des Waldes abgeholzt wurde und der vorhandene Forstweg auf 30 Meter (unerklärlich) verbreitert wurde. Die zwangsläufige Rodung des Auwaldes für das geplante Regenrückhaltebecken sollte überprüft werden, insbesondere inwieweit eine Verlegung südlich der A 73 möglich ist.

Zu e) Beachtung der Grundwasserverhältnisse im Gebiet

Die Auswirkungen des Ausbaus der A 73 auf die Grundwasserverhältnisse und Schichtenwasser im Bereich des Siedlungsgebiets sind zu prüfen, da insbesondere in unmittelbarer Nähe ein äußerst schützenswerter Auwald ausgewiesen ist.

Zu f) Die Nutzung von offenporigem Asphalt (Flüsterasphalt)

Bei Verwendung des Flüsterasphalts ist, aufgrund der kürzeren Lebensdauer, eine verbindliche Erneuerung bei nachlassender Wirkung zu gewährleisten.

Zu h) Vermeidung von Überlastungen durch den Ausbau des FSW

–  Schaffen von Maßnahmen, welche die Nutzung des FSW als Abkürzung für die A 3/A 9 unterbindet

–  Geschwindigkeitsbegrenzung im FSW durchgehend auf 80 km/h bzw. 60 km/h für LKWs

– Verbot für nichtörtlichen Schwerlastverkehr

Zu  j) Berücksichtigung des hohen Aufkommens an Fußgängern und Radfahrern

Die Brücke über die A73 (Marthweg) ist das Ein- und Ausfallstor für Fahrradfahrer und Fußgänger von den Siedlungen Süd ins Naherholungsgebiet Alter Kanal und südliches Umland und deshalb ein äußerst sensibler Bereich.

5.   Zusammenfassung

Mit dem Ausbau der A73 unter Einbeziehung des kreuzungsfreien Ausbaus des Frankenschnellweges, dem weiteren Ausbau des Hafensgebiets, der Nahverkehrsentwicklung und dem Stromtrassenausbau ballen sich viele Vorhaben rund um die Siedlungen Süd. Die Einzelvorhaben bedingen sich gegenseitig und können nicht isoliert betrachtet werden. Der Ausbau der A 73 ist deshalb im Gesamtkontext zu beurteilen. Daher auch unser Slogan „Gesamtkonzept statt Salamitaktik“. Eine Lärm- und Emissionsprognose muss alle Faktoren einbeziehen, nur so kann ein umfassendes und wirkungsvolles Lärm- und Emissionvermeidungskonzept entstehen. Wir fordern die beteiligten Behörden auf, unsere Argumente aufzunehmen und uns in ihre Planungen einzubeziehen.

V.i.S.d.P.: Albrecht Kippes, 1. Vorsitzender Bürgerverein Siedlungen Süd e.V., Schwander Str. 12, 90469 Nürnberg